Wenn Wissen still verschwindet: Das Problem des Wissensverlusts in Unternehmen

Jeden Tag verlassen erfahrene Mitarbeitende Unternehmen – durch Renteneintritt, Jobwechsel oder Umstrukturierungen. Mit ihnen geht häufig jahrelanges Know-how verloren, das nirgendwo dokumentiert wurde. Genau hier beginnt das Problem des Wissensverlusts: Wertvolles betriebliches Wissen, das in den Köpfen von Menschen steckt, verschwindet, ohne dass Organisationen es bemerken oder rechtzeitig handeln. Um diesem Prozess entgegenzuwirken, müssen Unternehmen zunächst verstehen, welche Arten von Wissen überhaupt existieren – und warum manche davon so schwer zu greifen sind.

Was ist explizites Wissen? Die sichtbare Seite des Unternehmens-Know-hows

Explizites Wissen ist die greifbare, dokumentierbare Form von Information. Es lässt sich aufschreiben, in Datenbanken speichern, in Handbücher überführen und problemlos weitergeben. Typische Beispiele für explizites Wissen im Unternehmenskontext sind:

Explizites Wissen ist die Grundlage für eine funktionierende Struktur im Unternehmen. Es kann systematisch verwaltet, aktualisiert und für alle zugänglich gemacht werden. Dennoch stellt auch hier die Organisation eine Herausforderung dar: Wenn Dokumente unstrukturiert abgelegt werden oder nur bestimmte Teams Zugriff haben, entstehen schnell Informationssilos – abgeschlossene Wissensinseln, die dem Unternehmen als Ganzes schaden. Informationssilos sind nicht nur ein technisches Problem, sondern auch ein kulturelles: Sie entstehen dort, wo Abteilungen ihr Wissen als Machtressource betrachten statt als gemeinsames Gut.

Was ist implizites Wissen? Die unsichtbare Kraft im Unternehmen

Implizites Wissen ist das genaue Gegenteil von explizitem Wissen: Es lässt sich kaum in Worte fassen und ist tief in den Erfahrungen, Intuitionen und Routinen von Menschen verwurzelt. Der Begriff geht auf den Philosophen Michael Polanyi zurück, der formulierte: „We know more than we can tell.“ – Wir wissen mehr, als wir sagen können.

Im Unternehmensalltag zeigt sich implizites Wissen in vielen Formen:

Dieses Knowledge ist für Unternehmen von unschätzbarem Wert – und gleichzeitig extrem verletzlich. Verlässt eine Schlüsselperson das Unternehmen, ohne ihr implizites Wissen weitergegeben zu haben, entsteht ein massiver Wissensverlust, der sich in sinkender Effizienz, Fehlern und Mehraufwand niederschlägt. Besonders kritisch ist, dass dieser Verlust oft erst Wochen oder Monate nach dem Weggang spürbar wird.

Wissensverlust verhindern: Strategien zur Sichtbarmachung impliziten Wissens

Die zentrale Herausforderung im Wissensmanagement besteht darin, implizites Wissen so weit wie möglich in explizites zu überführen – ohne dabei seine Tiefe und Nuancen zu verlieren. Das gelingt nicht durch einfaches Aufschreiben, sondern erfordert gezielte Methoden und eine Unternehmenskultur, die Transparenz fördert.

Bewährte Ansätze zur Wissenssicherung sind unter anderem:

Besonders wichtig ist dabei die kulturelle Dimension: Transparenz entsteht nicht durch technische Systeme allein. Unternehmen müssen eine Umgebung schaffen, in der das Teilen von Wissen als selbstverständlich gilt und nicht als Bedrohung für die eigene Position wahrgenommen wird. Solange Mitarbeitende ihr Wissen als persönliche Macht verstehen, werden Informationssilos bestehen bleiben – unabhängig davon, welche Tools im Einsatz sind.

Explizites und implizites Wissen gemeinsam managen: Ein ganzheitlicher Ansatz

Effektives Wissensmanagement betrachtet explizites und implizites Wissen nicht als getrennte Bereiche, sondern als zwei Seiten derselben Medaille. Das Modell von Nonaka und Takeuchi beschreibt diesen Prozess als spiralförmige Wechselwirkung: Implizites Wissen wird externalisiert (in Dokumente überführt), kombiniert (mit anderem expliziten Wissen verknüpft), internalisiert (von anderen gelernt) und durch soziale Interaktion weiterentwickelt (Sozialisation).

Für die Praxis bedeutet das: Unternehmen brauchen sowohl die technologische Infrastruktur als auch die organisatorische Struktur, um diesen Kreislauf zu ermöglichen. Dabei geht es nicht darum, alles zu dokumentieren – das wäre weder möglich noch sinnvoll. Vielmehr geht es darum, kritisches Knowledge zu identifizieren, gezielt zu sichern und dauerhaft zugänglich zu machen.

Unternehmen, die diesen ganzheitlichen Ansatz konsequent verfolgen, profitieren in mehrfacher Hinsicht: Sie reduzieren den Wissensverlust beim Personalwechsel, beschleunigen das Onboarding neuer Mitarbeitender, treffen fundierte Entscheidungen auf Basis gesicherter Erkenntnisse und bauen langfristig einen strategischen Wissensvorsprung auf.

Fazit: Wissensmanagement als strategische Aufgabe

Die Unterscheidung zwischen implizitem und explizitem Wissen ist mehr als eine akademische Übung – sie ist der Ausgangspunkt für ein wirksames Wissensmanagement. Unternehmen, die beide Wissensformen verstehen und aktiv managen, schützen sich vor Wissensverlust, überwinden Informationssilos und schaffen eine Kultur der Transparenz und des kontinuierlichen Lernens. Eine klare Struktur im Umgang mit Knowledge ist dabei keine Option, sondern eine strategische Notwendigkeit – insbesondere in Zeiten von Fachkräftemangel und wachsender Komplexität. Plattformen wie Brainbridge unterstützen Unternehmen dabei, genau diese Strukturen aufzubauen und Wissen langfristig zu sichern – von der Erfassung bis zur täglichen Nutzung.